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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Sa Okt 12, 2024 4:05 pm Titel: |
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Das Feuer von James Krüss
Hörst du, wie die Flammen flüstern, Knicken, knacken, krachen, knistern, Wie das Feuer rauscht und saust, Brodelt, brutzelt, brennt und braust? Siehst du, wie die Flammen lecken, Züngeln und die Zunge blecken, Wie das Feuer tanzt und zuckt,
Trockne Hölzer schlingt und schluckt?
Riechst du, wie die Flammen rauchen,
Brenzlig, brutzlig, brandig schmauchen,
Wie das Feuer, rot und schwarz,
Duftet, schmeckt nach Pech und Harz?
Fühlst du, wie die Flammen schwärmen,
Glut aushauchen, wohlig wärmen,
Wie das Feuer, flackrig-wild,
Dich in warme Wellen hüllt?
Hörst du, wie es leiser knackt?
Siehst du, wie es matter flackt?
Riechst du, wie der Rauch verzieht?
Fühlst du, wie die Wärme flieht?
Kleiner wird der Feuerbraus:
Ein letztes Knistern,
Ein feines Flüstern,
Ein schwaches Züngeln,
Ein dünnes Ringeln –
James Krüss |
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Verfasst am: Titel: Sponsored Link |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Fr Nov 08, 2024 7:26 pm Titel: |
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Hermann Hesse
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein. |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Fr Nov 22, 2024 12:44 pm Titel: |
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Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus.
Den weißen Wegen streckt sie die
Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
* * * * * * *
Rainer Maria Rilke
Bei uns in NRW schneit es auch .... |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Fr Nov 29, 2024 7:50 am Titel: |
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DER WICHTEL.
("TOMTEN" von Viktor
RYDBERG AUS DEM JAHRE
1881)
Die Winternacht ist kalt
und hart.
Die Sterne glitzern,
funkeln.
Zu dieser Stund ruht
alles zart
im stillen Hof im
Dunkeln.
Der Mond geht seine
leise Bahn.
Der Schnee glänzt weiß
auf dunklem Tann.
Der Schnee glänzt weiß
am Dache.
Der Wichtel hält hier
Wache.
Er steht am dunklen
Scheunentor
vergraut vor dem
Geschneibe
und schaut wie
dutzendfach zuvor
hinauf zur
Mondenscheibe,
schaut zu den Föhrn
und Fichten hin,
die wandgleich um den
Hof sich ziehn.
Das Rätsel aller Wesen
sucht er indes zu lösen.
Fährt mit der Hand
durch Bart und Haar,
doch schüttelnd mit dem
Haupte
spricht er: "Solch Rätsel,
welch ein Narr, der es zu
lösen glaubte!"
Der Wichtelmann
erhebt sich nun,
um seine Pflicht wie
stets zu tun,
stapft los und sucht
indessen, das Rätsel
zu vergessen.
Vorm Schuppen und
Geräteraum,
da prüft er alle
Schlösser.
Am Krippchen einen
Sommertraum
erträumen Küh und
Rösser.
Vergessen Zug und
Peitschenknall
träumt Palle tief in
ihrem Stall
mit Speichel auf den
Lippen, von kleegefüllten
Krippen.
Er geht zum Stall von
Lamm und Schaf,
die träumen auch schon
lange.
Im Hühnerstall schläft
alles brav,
der Hahn auf höchster
Stange.
Der Karo in dem
Hundehaus
schläft sich im warmen
Strohbett aus.
Der Wichtel mag ihn
leiden,
Vertraute sind die
beiden.
Dann stapft er still zum
Bauernhaus.
Er lässt sich's nicht
verwehren
und schaut auch nach
den Menschen aus,
die allesamt ihn ehren.
Zum Kinderzimmer
schleicht entzückt
der Wichtel stumm und
still beglückt
und stellt sich auf die Zehen,
die Kinderlein zu sehen.
So sah er alle, Vater,
Sohn,
und sieht noch heut
verschwommen
wohl jegliche Generation.
Woher sind sie gekommen?
Die Ahnen blühten,
welkten in
den Jahren, gingen,
doch wohin?
Und wie vom Wind getragen,
kam eine jener Fragen.
Er klettert auf das
Scheunendach
zum Grübeln
allenthalben.
Dort hat er Wohnung
und Gemach
ganz nah dem Nest der
Schwalben.
Ach, leer steht ihre
Wohnung jetzt,
doch hat der Lenz erst
eingesetzt,
läßt sich die Schwalbe
wieder
mit ihrem Mann
hier nieder.
Dann singt sie lieblich
vor sich hin,
von ihren weiten Reisen.
Indes lässt jener seinen
Sinn,
erneut ums Rätsel
kreisen.
Die Scheunenbretter
sind nicht dicht,
auf seinen Bart fällt
Mondenlicht
und glitzert dort recht
heiter,
er aber grübelt weiter.
Der Wald und die
Umgebung liegt
gefangen dort im Eise.
Der Wasserfall, der nie
versiegt,
rauscht stetig, leise,
leise.
Der Wichtel, davon ganz
betört,
beschlließt, dass er das
Leben hört.
Fragt sich, wohin es
ginge
und wo der Quell
entspringe.
Die Winternacht ist kalt
und hart.
Die Sterne glitzern,
funkeln.
Am Morgen noch ruht
alles zart
im stillen Hof im
Dunkeln.
Der Mond geht seine
leise Bahn.
Der Schnee glänzt weiß
am Dache.
Der Wichtel hält hier
Wache. |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Di Dez 03, 2024 12:25 pm Titel: |
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Ein knisterndes Kaminfeuer ist das duftende Blumenbeet eines Wintertags
(Aus Persien)
Ich liebe meinen Ofen♥ |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Sa Dez 07, 2024 9:02 pm Titel: |
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Ich habe
meine Jahre gezählt und
festgestellt, dass ich
weniger Zeit habe,
zu leben, als
ich bisher gelebt habe. Ich
fühle mich wie
dieses Kind, das eine Schachtel
Bonbons gewonnen hat:
die ersten essen sie
mit Vergnügen, aber
als es merkt, dass
nur noch wenige übrig waren,
begann es, sie
wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit
für endlose Konferenzen, bei denen
die Statuten,
Regeln,
Verfahren und
internen Vorschriften
besprochen werden, in
dem Wissen, dass
nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr,
absurde Menschen
zu ertragen, die
ungeachtet ihres Alters
nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr,
mit Mittelmäßigkeit
zu kämpfen.
Ich will nicht
in Besprechungen sein, in denen
aufgeblasene Egos
aufmarschieren.
Ich vertrage
keine Manipulierer und
Opportunisten.
Mich stören
die Neider, die
versuchen, Fähigere
in Verruf zu bringen um
sich ihrer Positionen,
Talente und
Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz um
Überschriften zu diskutieren. Ich will
das Wesentliche, denn
meine Seele
ist in Eile. Ohne
viele Süßigkeiten
in der Packung.
Ich möchte
mit Menschen leben, die
sehr menschlich sind. Menschen, die
über ihre Fehler
lachen können, die sich nichts
auf ihre Erfolge einbilden. Die sich
nicht vorzeitig berufen fühlen und
die nicht
vor ihrer Verantwortung fliehen. Die,
die menschliche Würde
verteidigen und die
nur an der Seite
der Wahrheit und
Rechtschaffenheit
gehen möchten. Es ist das, was
das Leben
lebenswert macht.
Ich möchte mich
mit Menschen umgeben, die
es verstehen, die Herzen
anderer zu berühren. Menschen, die durch
die harten Schläge des Lebens
lernten
durch sanfte Berührungen der Seele
zu wachsen.
Ja, ich habe
es eilig, ich habe
es eilig, mit
der Intensität zu leben, die nur
die Reife geben kann.
Ich versuche, keine
der Süßigkeiten, die mir
noch bleiben,
zu verschwenden. Ich bin
mir sicher, dass sie
köstlicher sein werden, als die,
die ich
bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende
zufrieden zu erreichen, in Frieden
mit mir,
meinen Lieben und
meinem Gewissen.
Wir haben
zwei Leben und
das zweite beginnt, wenn du
erkennst, dass du nur
eins hast...❣️..
Mario de Andrade |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Mo Dez 23, 2024 4:21 pm Titel: |
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Alle Jahre wieder!!!
Udo Jürgens wäre dieses Jahr 90 Jahre alt geworden.
Ein kleines Weihnachtsgedicht
Musik: Udo Jürgens - Text: Wolfgang Hofer
When the snow falls wunderbar
and the children happy are,
when the Glatteis on the street
and we all a Glühwein need,
then you know, es ist soweit:
she is there, the Weihnachtszeit!
Every Parkhaus ist besetzt,
weil the people fahren jetzt
all to Kaufhof, Mediamarkt;
kriegen nearly Herzinfarkt!
Shopping hirnverbrannte things,
and the Christmasglocke rings.
Mother in the kitchen bakes
Schoko-, Nuß- and Mandelkeks.
Daddy in the Nebenraum
schmückt a Riesen-Tannenbaum.
He is hanging auf the balls,
then he from the Leiter falls.
Finally the Kinderlein
to the Zimmer kommen rein,
and es sings the family
schauerlich "Oh, Christmastree".
And then jeder in the house
is packing die Geschenke aus.
Mama finds under the Tanne
eine brandnew Teflonpfanne.
Papa gets a Schlips and Socken.
Everybody does frohlocken.
President speaks in TV -
all around is Harmonie!
Bis mother in the kitchen runs,
im Ofen burns the Weihnachtsgans!
And so comes the Feuerwehr
with Tatü-Tata daher,
and they bring a long, long Schlauch
and a long, long Leiter auch.
And they schreien: "Wasser, marsch!"
Weihnachten is now im A. . ..!
Merry Christmas, merry Christmas,
hear the music, see the lights.
Frohe Weihnacht, frohe Weihnacht,
merry Christmas allerseits!
Wink |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Mi Jan 08, 2025 9:42 am Titel: |
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Das Gedicht kennen bestimmt viele Romantiker noch.
Gefroren hat es heuer
noch gar kein festes Eis
Das Büblein steht am Weiher
und spricht zu sich ganz leis:
„Ich will es einmal wagen
das Eis, es muss doch tragen
Wer weiß? “
Das Büblein stapft und hacket
mit seinem Stiefelein
Das Eis auf einmal knacket
und krach! schon bricht´s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
als wie ein Krebs und zappelt
mit Arm und Bein
„O helft, ich muss versinken
in lauter Eis und Schnee
O helft, ich muss ertrinken
im tiefen, tiefen See“
Wär nicht ein Mann gekommen –
der sich ein Herz genommen
o weh!
Der packt es bei dem Schopfe
und zieht es dann heraus
vom Fuße bis zum Kopfe
wie eine Wassermaus
Das Büblein hat getropfet,
der Vater hat´s geklopfet
zu Haus
Friedrich Güll. 1812 – 1879
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: So Feb 16, 2025 8:44 am Titel: |
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Winter, ade!
Scheiden thut weh.
Aber dein Scheiden macht,
Daß mir mein Herze lacht.
Winter, ade!
Scheiden thut weh.
Winter, ade!
Scheiden thut weh.
Gerne vergess’ ich dein;
Kannst immer ferne sein.
Winter, ade!
Scheiden thut weh.
Winter, ade!
Scheiden thut weh.
Gehst du nicht bald nach Haus,
Lacht dich der Kuckuck aus.
Winter, ade!
Scheiden thut weh.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Sa März 01, 2025 4:38 pm Titel: |
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Das war die Tage ❤️💞**
„Opa, wie alt bist du?“, fragte ein kleines Mädchen mit neugierigen Augen.
„Hmm, lass mich kurz nachdenken...
Als ich geboren wurde, hatte jede Familie einen Vater und eine Mutter.
Wir trockneten die Wäsche an der frischen Luft, kein menschlicher Fuß hatte den Mond betreten, und die Menschen machten keinen Urlaub mit dem Flugzeug.
Wir hatten keinen Fernseher und keine Kontaktlinsen statt Brillen.
Als ich geboren wurde, gab es keine Computer, und niemand brauchte einen Psychotherapeuten.
Diagnosen wurden nicht von uns gemacht, sondern nur vom Arzt nach einer Untersuchung.
Ich nannte Polizisten und Offiziere ‚Herr‘, und Frauen ‚Fräulein‘ oder ‚Frau‘.
Wenn eine Frau in den Bus stieg, standen Kinder und junge Leute selbstverständlich auf, um ihr ihren Platz anzubieten, und wenn sie schwanger war, halfen sie ihr beim Aussteigen.
Männer bevorzugten Frauen, halfen ihnen, ihre Mäntel auszuziehen, und waren echte Gentlemen für echte Damen.
Im Leben hielten wir uns an die Gebote Gottes, an den gesunden Menschenverstand, respektierten unsere Älteren und gehorchten den Autoritäten und Gesetzen.
Wir konnten klar zwischen Gut und Böse unterscheiden und wussten, dass wir für unser Verhalten gegenüber anderen verantwortlich waren und uns den Konsequenzen nicht entziehen konnten.
Die Familienbande waren stark und langlebig.
Wir hatten keine Mobiltelefone und keine Computer, kannten keine DVDs, Netflix oder Instagram, aber wir lasen Bücher und unterhielten uns.
Es gab kein Licht in unseren Schlafzimmern, und wir gerieten nicht in Panik, wenn das WLAN plötzlich ausfiel.
Es gab keine Automaten und keine Mikrowellen.
Erfahrungen und Gefühle wurden intensiv gelebt, wir mussten keine Fotos und Videos machen, um sie auf Facebook zu posten.
Unsere Fotos wurden nur zu besonderen Anlässen in Schwarz-Weiß aufgenommen.
Fast Food, Instant-Suppen und künstliche Süßstoffe kannten wir nicht.
Das Gras wurde gemäht, nicht geraucht.
Ja, wenn ich so darüber nachdenke, bin ich wirklich sehr, sehr alt.“
„Oha, Opa! Du bist bestimmt schon 200 Jahre alt!“, rief sie überrascht.
„Nein, mein liebes Kind, ich bin erst 80 Jahre alt.“
Viel kann in einem Augenblick geschehen.
Gute Nacht und schöne Träume 😴
Netzfund |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Di März 04, 2025 9:59 am Titel: |
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ERSTES VEILCHEN
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Sei mir gegrüßt, Du erstes Veilchen,
Das ich im Grünen jetzt erschau’,
Verzeih, wenn eine Freudenträne
Benetzt Dein Kleid, so wunderblau!
Du bist so schön in Deine Blüte,
Durch Dich ist all mein Herz beglückt,
Mir ist so wohl in Deiner Nähe,
Weil mich Dein wonnig’ Duft entzückt.
Wie gerne weilen meine Blicke,
Du holdes Frühlingskind! auf Dir,
Du bist so lieb und lachst so heiter
In frischer Lust herauf zu mir.
Mir ist es so, als wollt’st Du sprechen
Mit Himmelsgeistern eng im Bund,
Als hättest Du Dich sanft geöffnet,
Auf dass der Schöpfung Lob werd’ kund.
AIs wollt’st Du mir von Dingen sagen,
Die Dir der liebe Gott vertraut.
Mir ein Geheimnis wohl verkünden,
Zu dem Du findest keinen Laut.
Was tief in jeder Blumenseele,
Im dunklen Raum verborgen ruht.
Bis es ans Licht der Welt gekommen.
Gibt uns im Leben Trost und Mut.
Es ist des Ew’gen Macht der Liebe.
Die auch im Schoß der Erde liegt,
Und mit dem Blümchen auferzogen,
Wohl jedes Menschenherz besiegt.
Wilhelm Cappillerie
*1834 |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 4629
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Verfasst am: Fr März 07, 2025 10:21 am Titel: |
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ACH, WAS SIND WIR DUMME LEUTE...
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Ach, was sind wir dumme Leute -
wir genießen nie das Heute.
Unser ganzes Menschenleben
ist ein Hasten, ist ein Streben,
ist ein Bangen, ist ein Sorgen -
heute denkt man schon an morgen,
morgen an die spät´re Zeit -
und kein Mensch genießt das Heut´-.
auf des Lebens Stufenleiter
eilt man weiter, immer weiter. – –
Ja, wir leben zu geschwind heut –
gar zu schnell entflieht die Kindheit –
schon der Knabe in der Schule
sitzt nervös auf seinem Stuhle –
von der Fibel wird ihm übel,
nur mit Sträuben lernt er schreiben,
und am liebsten möchte‘ er raus
aus dem schönen Elternhaus,
denn er glaubt, es sei gescheiter
immer weiter, immer weiter – –
Kommt er dann erst in die Lehre,
denkt die halberwachsene Göre:
"Ach, wenn ich blos erst größer wär',
als Soldat beim Militär…."
Aber ist er dann Rekrut - ach,
wie ist ihm dann zumut'….
Da singt er ganz andere Lieder:
Nach der Heimat moecht' ich wieder.
Waer ich doch erst Gefreiter -
und dann weiter, - immer weiter. – –
Ist die Schulzeit dann zu Ende,
steht er an der Lebenswende, --
dünkt sich groß wie irgendeiner, --
wird als Lehrling sehr bald kleiner; --
wird gepufft und angepfiffen,
bis er endlich hat begriffen,
dass man nur durch Fleiß und Streben
sich behaupten kann im Leben. –
Und sein Pflichtenkreis wird breiter, --
immer weiter, immer weiter – –
Ist er Anfang Zwanzig eben,
denkt er schon ans Eheleben.
Ja, in einem Tanzlokale
sieht er sie zum ersten Male –
und am Abend bringt er’s Liebchen
schon nach Haus bis vor ihr Stübchen.
Hold errötend sagt die Maid:
„Junger Man, Sie gehn zu weit“
Doch trotzdem geht der Begleiter
immer weiter, immer weiter – –
Er, noch ganz erhitzt vom Tanze,
sagt zu ihr: „Ich geh‘ aufs Ganze!“
Immer näher kommt zur Maid er –
sie rückt weiter, immer weiter.
„Komm“, sagt er, „‘s ist nicht gefährlich,
wirst mein Weibchen brav und ehrlich,
In sechs Wochen bist du mein“, --
Und er küsst das Mägdelein!
Und nun sagt sie froh und heiter:
„Küsse weiter, immer weiter“ – –
Ja, nun zählt er die Sekunden
bis man ihm mit ihr verbunden.
Ist das nicht ein toller Einfall?
‘s hat doch Zeit mit solchem Reinfall!
Er nimmt die geknickte Lilie.
Bald vermehrt sich die Familie,
und nach kurzem hat er schon
auf dem Schoß den ersten Sohn.
Erst kommt einer—dann ein zweiter –
und so weiter, immer weiter – –
Nun beginnt erst recht das Plagen,
oft hört man die beiden sagen:
„Wenn wir nur die Sorgen los sind,
wenn die Kinder nur erst groß sind,
dann strahlt uns der Himmel heiter.“
Und sie schaffen immer weiter,
lassen blind beim Vorwärtsgehn
ihres Lebens Rosen stehn,
suchen Tausendguldenkräuter
immer weiter, immer weiter – –
So entflieht die Zeit wie’n Traum
und die beiden merken’s kaum –
erst verheiraten sie ihr Mariechen,
dann verlob’n sie ihr Sophiechen,
dann kommt Walter zur Marine,
dann lernt Englisch die Pauline –
dann macht Wilhelm sein Examen –
dann komm’n noch zwei junge Damen –
eine sechzehn – eine vierzehn –
das kost’t Kleider, Hüte, Schürzen,
um die richtig auszustatten
für den künft’gen Herrn und Gatten.
Niemals weiß man, wie man dran ist,
nie gibt’s Ruhe – nie gibt’s Frieden –
wenn die eine an den Mann ist,
ist die andre schon geschieden.
Wenn die Jüngste noch zu haben,
hat die Ält’ste schon ‘nen Knaben,
erst kommt einer – dann ein zweiter
und so weiter – immer weiter – –
Sehn Sie, so entfliehn die Jahre.
Großpapa hat weiße Haare. –
Und der Mondschein zieht sich breiter
immer weiter, immer weiter –
Und er seufzt: „Wie schön der Mai ist,
sieht man erst, wenn er vorbei ist.“
„Ach, wir waren blind“, so klang er
und zu seinem Enkel sagt er:
„Nutz den Frühling deines Lebens,
leb im Sommer nicht vergebens
denn gar bald stehest du im Herbste
bis der Winter naht, dann sterbste.
und die Welt geht trotzdem heiter
Immer weiter, immer weiter“ –.
Otto Reutter
*1870 †1931 |
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